Die Wissensbilanz hat sich seit ihrer ersten Anwendung am Forschungszentrum Seibersdorf im Jahr 1999 (Koch/Schneider, 1999) zu einem zentralen Bewertungs- und Steuerungsinstrument für Wissen vermittelnde Organisationen entwickelt. In mehreren Ländern wurden Standards bzw. gesetzliche Grundlagen für die Wissensbilanzierung geschaffen, wie z.B. in Dänemark (Danish Agency for Trade and Industry (Hrsg.), 2003.) oder Deutschland (Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hrsg.), 2004.). In Österreich hat der der Forschungsverein Knowledge Management Austria unter der Projektleitung von Dr. Andreas Brandner den Leitfaden Wissensbilanz A2006 entwickelt und publiziert (Brandner et al., 2006a). KMA gilt als das österreichische Pionierunternehmen im Bereich Wissensmanagement und Wissensbilanzierung und hat sich international einen hervorragenden Ruf aufgebaut. so ist u.a. der Erfinder der Wissensbilanz, Günter Koch, Gesellschafter und Partner der KMA.
Die Wissensbilanz (Koch/Schneider, 1999) hat sich als Instrument der Bewertung von Wissenspotenzialen (oder „intellektuellem Kapital“) bewährt und hat mit dem Universitätsgesetz 2002 Eingang in die österreichische Gesetzgebung gefunden. Die österreichischen Universitäten sind verpflichtet, jährlich eine Wissensbilanz vorzulegen, was international als Innovation gewürdigt wurde.
Auf Europäischer Ebene hat erst 2006 eine High-Level Experts Group im Auftrag der Europäischen Kommission einen Leitfaden zur Wissensbilanzierung in KMUs entwickelt, bei dem KMA durch Günter Koch vertreten war. Auch auf der Ebene der nationalen Wissensbilanzierung ist Österreich federführend. Knowledge Management Austria hat in Kooperation mit dem IHS und der Universität Graz im Rahmen eines vom bm:bwk geförderten Projektes mit der „Wissensbilanz Österreich“ ein Modell für eine nationale Wissensbilanzierung entwickelt, das auch internationale Anerkennung gefunden hat. (Brandner et al, 2006b).
Aber auch im Bereich der Wirtschaft gewinnt die Wissensbilanz immer mehr an Bedeutung. Vor allem größere, innovative Unternehmen gehen vermehrt dazu über Wissensbilanzen als Ergänzung zu ihrer Finanzbilanz als Management- und Kommunikationsinstrument zu erstellen, einerseits als Information an Kunden und Shareholder, andererseits aber auch aus der Erkenntnis, dass immaterielles Vermögen eine aktive Steuerung und Überwachung braucht, wenn man es einsetzen möchte um die Wettbewerbsfähigkeit einer Organisation zu stärken. Unternehmen lernen ihre zukünftigen Stärken und Schwächen bei der Entwicklung der Innovationsfähigkeit besser kennen.
Für kleinere und mittlere Unternehmen erschien die Erstellung einer Wissensbilanz bisher in den meisten Fällen als zu aufwändig. Knowledge Management Austria hat daher im Jahr 2006 in Österreich im Rahmen des vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit geförderten protec-INNO Projekts Asses den Leitfaden „Wissensbilanz A2006“ als Leitinstrument der Wissensbilanzierung in Österreich entwickelt. (Brandner et al., 2006a). Der Leitfaden dient kleinen und mittleren Unternehmen als Handwerkzeug um mit relativ geringem Aufwand ihre Innovationsfähigkeit und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit spürbar erhöhen zu können.