Das Fest der 1000- Ein Rückblick

175 Knowledge Trees mit 1000 Porträts ein- und ausgewanderter Persönlichkeiten besiedelten im Mai 2008 die Wiener Innenstadt - ein Projekt des Vereins KM Austria. (www.festder1000.at)

  • Die Knowledge Trees in der Wiener Innenstadt
  • Das Fest der 1000 - Eröffnung und Säule des Wissens
  • Die Lesungen
  • Die Agenda Wissen
  • Die Podiumsdiskussion und Buchpräsentation Agenda Wissen
  • Resümee und Ausblick
  • Nähere Details zum Fest der 1000 erfahren Sie in der Nachlese zum Downloaden!


  • Die Knowledge Trees in der Wiener Innenstadt

    Der Knowledge Tree wurde als innovatives Medium für Wissenskommunikation im öffentlichen Raum speziell für das Fest der 1000 vom Wiener Design-Studio Walking Chair entwickelt. Bezeichnenderweise sind die beiden Schöpfer – Fidel Peugeot und Karl Emilio Pircher – aus der Schweiz und Italien nach Wien eingewanderte Designer.

    Im Rahmen des Fests der 1000 wurden 175 Knowledge Trees produziert, die insgesamt 525 einzigartige, individuell gestaltete Blätter tragen. Der Knowledge Tree besteht aus einem Betonsockel, einem Eisenstamm und drei Kunststoffblättern, die direkt bedruckt wurden.

    Die Vermittlung von Wissen(schaft) im öffentlichen Raum erfordert ein Medium, das den Anforderungen der öffentlichen Aufstellung (z.B. Beständigkeit bei Regen, Standfestigkeit bei Sturm, blindengerechte Form, keine Verletzungsgefahr, etc.) entspricht und gleichermaßen zur Auseinandersetzung mit einem anspruchsvollen Inhalt anregt.

    Der Knoweldge Tree ist stabil und wetterbeständig, aber flexibel in der Aufstellung und in der inhaltlichen Gestaltung. Er ist einfach in der Ausführung, aber perfekt in der Nutzung.

    Der Knowledge Tree kann als Informationsmedium für den öffentlichen Raum vielfältig genutzt werden. Die Knowledge Trees stehen seit 1. Juni 2008 mit oder ohne Content zu einem Kostenersatz von 400 Euro (zzgl. 20%USt.) zur Verfügung oder können für Projekte zeitlich befristet angemietet werden.


    Das Fest der 1000 - Eröffnung und Säule des Wissens

    Am 21. Mai 2008 – am UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt – fand der Höhepunkt des Festes statt. Das Fest der 1000 startete am Wiener Minoritenplatz, einem Platz der umgeben ist von Ministerien, die sich allesamt am Fest der 1000 beteiligt haben. Ein Platz der Ruhe, der Stille, der Raum hat ohne sich zu verlieren.

    Bundesminister Dr. Johannes Hahn eröffnete das Fest und würdigte die Initiative des Fests der 1000 mit dem Ziel, einen verantwortungsbewussten Umgang mit Wissen in der Gesellschaft beizutragen und aus- und eingewanderte Intellektuelle zu portraitieren - verbunden mit dem Wunsch, dass das Fest der 1000 auch in den nächsten Jahren eine Fortsetzung finden wird.

    Der Präsident der österreichischen UNESCO-Kommission, Dr. Johann Marte, erläuterte die Motive für den UNESCO-Welttag und die Bedeutung der kulturellen Vielfalt für das friedliche Zusammenleben – vor allem in Hinblick auf die Wissensgesellschaft. Die UNESCO-Kommission hat die Schirmherrschaft für das Fest der 1000 übernommen.

    Sodann wurde die „Säule des Wissens“ von Prof. Helmut Margreiter durch die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt Ursula Stenzel feierlich enthüllt.

    Das 3,5 Meter hohe Kunstwerk symbolisiert die Dualität des Wissens und den Dialog des tradierten Wissens – repräsentiert durch die perfekte, geschliffene, geschlossene und reflektierende Stahlsäule – und des innovativen Wissens – repräsentiert durch die kantige, brüchige, hinausweisende und offene Bronzesäule.

    „Wissen ist niemals gewiss, immer ein Prozess der Suche, der offen bleibt für Zweifel. Gerade deshalb ist der Zusammenfluss von Kulturen so wichtig, denn Wissen entsteht im Zwischenraum zwischen Eigenem und Fremdem, zwischen Bekanntem und Unbekanntem, zwischen Ordnung und Chaos. Es entsteht aus der ständigen Bereitschaft, Neues aufzunehmen und keine dogmatische Schließung gelten zu lassen.“ (Ursula Schneider)

    Die feurige Laudatio von Dr. Kurt Scholz beschrieb die Skulptur als Meisterwerk, das in der Archaik der reinen Formen (Kreis und Dreieck) auch an Michelangelos „Erschaffung des Adam“ erinnert, in dem sich in der Darstellung des Gottvater ein Dreieck findet, das für das Schöpferische steht und in der Darstellung des Adam einen Kreis bildet, der dem Statischen, Schlummernden entspricht. Auch in Michelangelos Werk berühren sich die Dargestellten gerade nicht.


    Die Lesungen

    Der Pfad der 1000 führte weiter zur ersten Lesung im Café Central. Die Lesungen wurden ermöglicht und organisiert durch das „Zentrum exil“, das von Frau Christa Stippinger (Photo oben) gegründet wurde, um ein- und ausgewanderten Schriftstellern zu helfen, Bekanntheit zu gewinnen. Gleichermaßen ist es Ziel, die Befruchtung der Sprache durch Exilliteratur zu würdigen und Exilliteratur inhaltlich aufzuwerten.

    Im Rahmen der ersten Lesung wurden Texte von Sohn Young und Grzegorz Kielawski gelesen. Die Schauspielerin Theresa Herberstein (3. Photo v.o.) las Werke aus „Leimkind“ von Sohn Young, das 2007 in der edition exil erschien. Grzegorz Kielawski (2. Photo v.o.) las Texte aus „Passwort“.


    Die 2. Lesung fand in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Photo links) statt. Die in St. Petersburg geborene Schriftstellerin Julya Rabinowich (Photo unten), die 2003 den Exil-Literaturpreis „schreiben zwischen den Kulturen“ erhielt, las aus „spaltkopf“.


    Die Agenda Wissen

    Schließlich begann um 19:30 als weiterer Höhepunkt des Fests der 1000 in der Alten Aula der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, im ältesten Theatersaals Wiens, dem Saal des ehemaligen Jesuitentheaters, das 1654 fertig gestellt und im 18. Jahrhundert mit einem prachtvollen Deckenfresko von Anton Herzog ausgestattet wurde - die Abendveranstaltung „Agenda Wissen“.


    Nach der Begrüßung durch Dr. Brandner, Knowledge Management Austria, wurde die Abendveranstaltung durch den Hausherrn, den Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Herrn Prof. Dr. Peter Schuster (Photo links) feierlich eröffnet.

    Das Tonikum-Quintett spielte Werke von Alexander Zemlinsky, Ivan Eröd und György Ligeti, die auch unter den 1000 Aus- und Eingewanderten portraitiert wurden.


    Die Podiumsdiskussion und Buchpräsentation Agenda Wissen

    Als Höhepunkt der Abendveranstaltung „Agenda Wissen“ moderierte Prof. Dr. Christian Fleck, Universität Graz ein hochkarätig besetztes Podiumsgespräch zum Thema "Ein verantwortungsvoller Umgang mit Wissen in der Gesellschaft" mit folgenden TeilnehmerInnen:
    - Dr. Antonella Mei-Pochtler, The Boston Consulting Group (BCG), links oben

    - Prof. Dr. Kurt Rothschild, WIFO, rechts oben

    - Julya Rabinowich, Schriftstellerin, rechts unten

    - Prof. Dr. Josef Penninger, ÖAW, links unten

    Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand eine Buchpräsentation statt. Die Publikation "Agenda Wissen" beinhaltet 22 Positionen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Wissen in der Gesellschaft.

    Im Rahmen der Vorbereitungen für das Fests der 1000 haben ausgewählte Proponenten, Fördergeber und weitere Persönlichkeiten ihre Vorstellungen einer verantwortungsbewussten Wissenspolitik formuliert. In der Projektpublikation "Agenda Wissen" werden diese Positionen gemeinsam präsentiert, ergänzt durch die Erkenntnisse aus den Recherchen der 1000 Persönlichkeiten sowie einen Überblick über die österreichische Geschichte der Migration und Zirkulation von 1900 bis in die Gegenwart.

    Die Publikation Agenda Wissen kann direkt bei Knowledge Management Austria oder im österreichischen Buchhandel um 15 Euro bestellt werden.


    Resümee und Ausblick

    Zusammenfassend kann eine positive Bilanz gezogen werden:

    • 2 Kunstwerke geschaffen
      Mit der „Säule des Wissens“ und dem „Knowledge Tree“ wurden zwei Kunstwerke geschaffen, die eine nachhaltige Wirkung im öffentlichen Raum hinterlassen werden.
    • 2 wissenschaftliche Arbeiten publiziert
      Mit den Recherchen der 1000 Persönlichkeiten sowie den Photos, die zum Teil im Ausland recherchiert wurden, konnte ein Stück Zeitgeschichte erschlossen werden. Die Publikation „Agenda Wissen“ ist ein erstes gemeinsames Statement führender österreichischer Verantwortungsträger zum Umgang mit Wissen in der Gesellschaft – ein gelungenes Sammel-Leitbild für die Wissensgesellschaft.
    • Wissenspartnerschaft:
      Die breite Beteiligung von Unternehmen als Sponsoren, Proponenten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, die als Buchautoren aktiv am Projekt mitgewirkt haben, die große Zahl an Fördergebern - Zukunftsfonds, Nationalfonds, sieben Ministerien und die Stadt Wien - und die aktive Unterstützung vieler Kooperationspartner (ÖAW, ÖNB, APA, Uni Graz, edition exil) haben einen Grundstein gelegt für eine nachhaltige wissenspolitische Zusammenarbeit in Österreich. Möge diese Wissenspartnerschaft sich fortsetzen. Mehr als zwei Drittel der aufgebrachten Mittel wurden durch private Personen und Unternehmen geleistet!
    • Breite Wahrnehmung und respektvoller Umgang mit den Knowledge Trees:
      Das Fest der 1000 wurde durch die 1000 Personenportraits von einer großen Zahl von Menschen gesehen, gelesen und gewürdigt, wie es indoor-Ausstellungen in der kurzen Zeit kaum gelingen kann. Besonders erfreulich war, dass nahezu keine Wissensbäume beschädigt wurden, was bei der Besucherfrequenz und der meist unbeaufsichtigten Aufstellung besonders bemerkenswert ist.
    • Fünf künstlerische Darbietungen:
      Zwei junge studentische Ensembles konnten sich und die Werke von Aus- und Eingewanderten präsentieren. Das Tonikum-Quintett spielte Werke von Zemlinksy, Eröd und Ligeti, das Ensemble Blechsinn spielte Werke von Korngold und Koetsier. Der Prolog zu Robin Hood von Erich Korngold wurde extra für das Fest der 1000 von Prof. Leonhard Paul für das Bläserquintett bearbeitet. Drei Schriftsteller wurden gelesen, Julya Rabinowich und Grzegowz Kielawski lasen eigene Texte. Die junge Schauspielerin Theresa Herberstein las Texte von Sohn Young. Alle drei SchriftstellerInnen sind junge Eingewanderte.
    • Nachhaltige Dokumentation im Internet
      Die wissenschaftlichen Recherchen werden der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich sein. Technische Erweiterungen sollen es ermöglichen, dass die Plattform auch für weitere Anregungen interaktiv nutzbar sein wird.
    • Fortsetzung in Sicht
      Die Säule des Wissens wird ab Anfang Juli an der Wirtschaftsuniversität Wien gemeinsam mit 6 Knoweldge Trees sichtbar sein. Weitere Aufstellungen sind in Planung. Die Durchführung des Projektes im Ausland bahnt sich an.
    • Lernen
      Wichtig ist letztlich, dass die Erfahrungen aus diesem ersten Fest gut aufgearbeitet wurden und weitere Projekte noch erfolgreicher durchgeführt werden können.

    Kurzum: Es war ein großer Erfolg, der fortgesetzt werden sollte.


    Nähere Details zum Fest der 1000 erfahren Sie in der Nachlese zum Downloaden!