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Walter Schwaiger, Praxisbeispiel Wissensbilanzierung in KMU 
 

Die Wissensbilanz als Weg zur Professionalisierung in der Unternehmensführung am Beispiel der Salzkammergut-Touristik
 
Die Salzkammergut-Touristik

Im Zuge des Projektes ASSESS betreut die KMA u.a. auch das Wissensbilanz-Projekt der Salzkammergut-Touristik.

Die Salzkammergut-Touristik ist ein „Incoming-Reisebüro“ in Bad Ischl/Oberösterreich mit aktuell elf Mitarbeitern. Die Inhaberin und Geschäftsführerin des Unternehmens, Brigitte Stumpner, steht aufgrund der laufenden Vergrößerung ihres Mitarbeiterstabes in den vergangenen Jahren vor der Herausforderung, das Management ihres Unternehmens zu professionalisieren. Vor allem eine relativ starke Fluktuation erfordert Methoden zur Sicherung von Kunden- und Erfahrungswissen der Mitarbeiter. Dies war auch die zentrale Fragestellung von Stumpner als sie sich für die Erstellung einer Wissensbilanz der Salzkammergut-Touristik entschied.

Ablauf des Projektes

In Vorgesprächen wurde rasch klar, dass das Umfeld für das Projekt einer Wissensbilanzierung hervorragend geeignet war, handelte es sich doch um ein Unternehmen, in dem ein hoher Grad an Wertschätzung für das vorhandene intellektuelle Kapital gegeben war. Ebenso ausgeprägt war das Problembewusstsein hinsichtlich der Prozesssicherheit, deren Steigerung als weiteres Ziel für das Projekt erkannt wurde.

Weitere Zielsetzungen für das Projekt:

  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Steigerung der Rentabilität des Unternehmens
  • Eine verbesserte Darstellung des Unternehmens nach innen und nach außen
  • Schaffung einer Grundlage für ein funktionierendes Controlling auch im Bereich des intellektuellen Kapitals
  • Verfeinerung der Unternehmensstrategie hinsichtlich einer wissensorientierten Unternehmensführung

Entsprechend dem vorher definierten Vorgehensmodell, begannen wir mit einer Standortbestimmung des Unternehmens. In diesen Schritt wurden sämtliche MitarbeiterInnen eingebunden. Ein aus dem Workshop resultierendes Ergebnis war, die Definition jener Kernkompetenzen, über die die Salzkammergut-Touristik per Definition als Incoming-Reisebüro verfügt bzw. die sich das Unternehmen im Laufe der Jahre spezifisch erarbeitet hatte.

In der Konzentration der Ergebnisse wurden letztendlich drei Kernkompetenzen definiert:

  1. Reiseveranstaltung
  2. Service vor Ort
  3. Veranstaltungen und Events

Der „Weg“ zu den Kernkompetenzen führte über eine Auflistung jener Leistungen, die derzeit von der Salzkammergut-Touristik geboten werden. Ein wesentlicher Lern- und Erfahrungsschritt für das Unternehmen war hier die Erkenntnis, dass es zahlreiche Leistungen im Angebot hatte, die keiner der Kernkompetenzen zugeordnet werden konnten. Unter der Annahme, dass die Kernkompetenzen eine hohe Affinität zur Unternehmensstrategie haben, zeigt sich hier ein wichtiges Optimierungspotenzial für das Unternehmen.

Im Zuge dieser Arbeit hat sich ein interessantes Spezifikum herauskristallisiert, das vermutlich auch für andere Unternehmen dieser Größenordnung relevant ist: Die Vernetzung der Geschäftsführerin im lokalen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext. Es zeigte sich, dass aufgrund eines starken Engagements in diesen Bereichen wertvolle Ressourcen außerhalb der Geschäftsführung gebunden sind. In einer näheren Untersuchung konnte festgestellt werden, dass dieses lokale Networking nur wenig oder überhaupt nicht zum Unternehmenserfolg beiträgt. Eine wesentliche Funktion der Wissensbilanz wird hier eine Impact-Analyse der Wirkungen dieser Aktivitäten auf den Geschäftserfolg des Unternehmens darstellen.

Die Definition der Kernkompetenzen lieferte die Grundlage für den nächsten Schritt in der Erstellung der Wissensbilanz: die Indikatorenfindung. Es zeigte sich, dass auch für Unternehmen von dieser Größe eine Fülle an Kennzahlen existiert, aus denen die für eine Wissensbilanz relevanten Indikatoren selektiert werden können.

Auf Basis dieser Vorarbeiten konnte eine viel versprechende Grundstruktur – basierend auf den erarbeiteten Kernkompetenzen – fertig gestellt werden. Der Leistungskatalog, in dem jedem Eintrag auch ein oder mehrere Indikatoren zugeordnet sind – ist nun im nächsten Schritt vom Unternehmen selbst mit den entsprechenden Daten zu füllen.

Nach Abschluss dieses Arbeitsschrittes geht es um die Implementierung der Wissensbilanz. Planungs- und Steuerungsabläufe werden konkretisiert, ein integrierter Controllingkreislauf definiert. Letztendlich soll die Wissensbilanz ja zu konkreten, messbaren Verbesserungen führen.

Im abschließenden Schritt wird die Wissensbilanz in zweifacher Form verfasst:

  • Eine interne Wissensbilanz dient der Unternehmensführung als Planungs- und Steuerungsinstrument und kann auch in der Mitarbeiterführung- und Kommunikation eingesetzt werden.
  • Eine externe Wissensbilanz unterstützt die Darstellung des Unternehmens nach außen. Gegenüber Kunden, Lieferanten, Banken und anderen Stakeholdern lässt sich damit ein hoher Grad an Wertschätzung des intellektuellen Kapitals signalisieren.


Learnings der Salzkammergut-Touristik

Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Unternehmen Salzkammergut-Touristik schon im Zuge der Projektdefinition und der Umsetzung der ersten Projektphasen einen bemerkenswerten Entwicklungsschub verzeichnen konnte.

So hat beispielsweise die Erarbeitung der relevanten Kernkompetenzen positive Veränderungen im Unternehmen bewirkt, wie Zielvereinbarungen mit Angestellten, regelmäßige Zusammenkünfte zur Förderung des innerbetrieblichen Wissenstransfers und erste Überlegungen über die Neugestaltung des bestehenden Incentive-Systems. Auch das das Verständnis - nicht nur der Geschäftsführerin - sondern auch der Mitarbeiter für die Relevanz der bearbeiteten Themen wurde massiv gestärkt.